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Reproduktionsmedizinerklärt auf

Ungewollt kinderlos: Welche Möglichkeiten der künstlichen Befruchtung gibt es?

Welche Möglichkeiten der künstlichen Befruchtung gibt es?
Welche Möglichkeiten der künstlichen Befruchtung gibt es? Ungewollt kinderlos! Was tun? 03:07

Eine eigene Familie gründen und im Mama- und Papa-Glück schwelgen – für viele ist DAS das größte Glück im Leben. Aber nicht alle, die sich Nachwuchs wünschen, können auf natürlichem Weg schwanger werden. Jedes zehnte Paar in Deutschland zwischen 25 und 59 Jahren ist ungewollt kinderlos. Die Ursachen und Gründe so individuell wie die Paare selbst. In den Kinderwunschkliniken herrscht großer Zulauf. Aber welche Möglichkeiten der künstlichen Befruchtung gibt es eigentlich mittlerweile? Was genau ist Social Freezing? Wir haben mir Reproduktionsmediziner Prof. Dr. Markus Kupka gesprochen.

Diese Methoden der künstlichen Befruchtung sind die gängigsten

„Es ist über die letzten 10 Jahre erkennbar – die Paare werden immer älter – sowohl der Mann als auch die Frau. Das hat viele Gründe - beruflich Karriere, oder dass die Finanzierung einer Kinderwunschbehandlung gesichert werden soll“, erzählt Prof. Dr. Markus Kupka im RTL-Interview. Bei der künstlichen Befruchtung gibt es mehrere Methoden. Zum Einen die Samenübertragung, auch Insemination genannt: Die Spermien werden dabei aufbereitet und danach in die Gebärmutter der Frau gespritzt, in der Hoffnung dort eine Eizelle zu befruchten. Die Frau muss vorher zudem eine Hormonbehandlung machen, um die Erfolgschancen zu erhöhen. Dennoch liegt die Erfolgsrate bei der Insemination bei nur rund zehn Prozent.

Bei der In-Vitro-Fertilisation, der Reagenzglasbefruchtung, stehen die Erfolgschancen höher, bei ca. 30 Prozent. Auch hier müssen der Frau über Monate hinweg Hormone zugeführt werden, danach werden ihr Eizellen entnommen und diese dann im Reagenzglas mit den Spermien befruchtet. Die befruchtete Eizelle – der Embryo – wird dann zurück in die Gebärmutter übertragen, wo es sich hoffentlich weiterentwickelt und zu einem Baby heranwächst. Ein langer und auch kostspieliger Prozess, der durchschnittlich 3.000 Euro kostet. Und: Nicht immer funktioniert das direkt beim ersten Mal.

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Social Freezing: Was genau hat es damit auf sich?

Social Freezing ist mit erheblichen Kosten verbunden.
Frauen lassen sich im gebärfähigen Alter Eizellen entnehmen und einfrieren. © iStockphoto

Kupka geht davon aus, dass es in Zukunft noch weitere Möglichkeiten geben werde, da sich im technischen Bereich, im Labor, viel tun wird in den kommenden Jahren.

Eine Art Trend, der bereits durchgeführt wird, ist das sogenannte Social Freezing, also das Einfrieren von Eizellen oder Samenzellen für einen späteren Zeitpunkt im Leben – quasi bevor es zu spät ist und man sich doch noch einmal umentscheiden möchte. „Die Namensgebung ist etwas unglücklich. Social Freezing heißt eigentlich, ich lege eine Reserve an Eizellen an und kaufe mir dadurch etwas Zeit, denn dann bin ich vielleicht nicht in der Situation wenn ich 40 Jahre alt bin als Frau, sagen zu müssen, jetzt muss ich mich beeilen, weil sonst meine Fruchtbarkeitswahrscheinlichkeit deutlich abnimmt“, erklärt der Hamburger Mediziner. In Deutschland gebe es diese Möglichkeit seit einigen Jahren, nachdem es durch große amerikanische IT-Firmen geläufiger wurde, so Kupka.

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„Es kostet, wenn man eine Stimulationsrunde betrachtet, wo man einmal Eizellen entnimmt – je nach Medikamentenbedarf – 3.500 bis 4.500 Euro.“ Ein doch eher hoher Preis, den sich nicht jede Frau leisten kann. Die Nachfrage sei jedoch groß: „Wir erleben das hier täglich.“ Es sei jedoch noch zu früh, um große Statistiken anfertigen zu können, „wie viele Frauen nachher wirklich ihre Eizellen nachher abholen oder nutzen, denn das Angebot Social Freezing gibt es noch nicht so lange.“ (jri/vdü)