Kommentar einer Mutter

Elternliebe lässt sich nicht in Kita-Stunden messen!

Mutter küsst ihr Kind
RTL-Redakteurin Valentina Otte findet: Elternliebe lässt sich nicht in Kita-Stunden messen! (Symbolbild) © iStockphoto, iStock

Momshaming gehört leider zum Alltag


von Valentina Otte

„Also ich könnte das nicht!“ Meine Tochter war noch nicht mal geboren, als ich diesen Satz aus den unterschiedlichsten Kreisen zu hören bekam. Grund: Ihre schon während der Schwangerschaft geplante und für einige vermeintlich zu frühe Kita-Eingewöhnung mit damals knapp 8,5 Monaten. Nicht selten gefolgt vom Zusatz: „Warte mal ab, bis sie da ist.“ Als läge es an der noch fehlenden Liebe für das noch nicht geborene Kind, die meinen Mann und mich diese Entscheidung treffen ließ.

Und nichts anderes schwingt in der Frage mit, die Marie Nasemann gerade auf ihrem Instagram Profil geteilt und mit den Worten #stopmomshaming kommentiert hat. Leider gehört „momshaming“, von dem das Model spricht, nicht nur bei Promis, sondern auch bei normalen Müttern zum Alltag. Und ich spreche an dieser Stelle mal explizit von Müttern, denn die meisten Väter werden meiner Beobachtung nach für viele Kleinigkeiten gelobt, die zig Frauen täglich machen und für die sie keinerlei Lob bekommen.

Der Vater verbringt einen Nachmittag am Sonntag mit Kind auf dem Spielplatz? - Wow, toll, dass er seine Frau entlastet. Die Frau verbringt sechs von sieben Nachmittage im Sandkasten und wagt es dabei, kurz auf ihr Handy zu schauen (eventuell auch noch, um etwas zu erledigen und mental load abzubauen)? - Dass sie sich nicht mal zehn Minuten auf ihr Kind konzentrieren kann, Skandal! Der Vater geht zwei Wochen nach der Geburt seines Kindes wieder arbeiten? - Na klar, warum auch nicht?

Meine Erklärungen gehen eigentlich niemanden etwas an

Zurück zum eigentlichen Thema. Meine Tochter ist ein Novemberkind und wurde im August des Folgejahres in der Kita eingewöhnt. Warum? In unserer Stadt werden Kinder nur in Ausnahmefällen in anderen Monaten angenommen, insofern standen wir vor der Wahl, dann oder ein Jahr später. Und das war für uns nur ein Aspekt in unserer Entscheidung.

Oft habe ich mich dabei erwischt, wie ich in Gesprächen direkt Erklärungen abgegeben habe, wie z.B.: Ich arbeite wirklich gerne (und nur glückliche Mütter haben meiner Meinung nach die mentalen Ressourcen, um „gute“ Mütter zu sein), sie hat keine Geschwister, unsere Familien wohnen weit weg etc. pp.

Nach nun bald einem Jahr, einem besonderem Corona-Jahr, kann ich rückblickend sagen: Ich bin so froh, dass meine Tochter in die Kita geht, dass sie vor Ort weitere Bezugspersonen hat, die sie gerne hat und von denen sie auch am Wochenende spricht, wenn sie fröhlich ihre Kitatasche greift.

Ihre kleinen Freunde können weder mein Mann noch ich ersetzen, ebenso wenig die kleinen und großen Abenteuer, die sie täglich vor Ort erlebt. Und genauso kann ich guten Gewissens sagen: Meine Erklärungen gehen eigentlich niemanden etwas an und sollten niemandem die Grundlage geben, an der Liebe zu unserem Kind zu zweifeln.

Ich wünsche mir mehr Für- statt Gegeneinander

Natürlich gibt und gab es Herausforderungen, wie die Eingewöhnung selbst, die bei uns mehrere Wochen gedauert hat, für die sich mein Mann aber auch mit Absicht viel Zeit genommen hat. Doch die kann es auch geben, wenn das Kind mit 2, 3 oder 4 Jahren in den Kindergarten kommt. Und natürlich machen sich wahrscheinlich die meisten Eltern Gedanken darüber, ob und wie viel Betreuung für das eigene Kind am besten ist.

Bevor also jemand das nächste Mal fragt oder kommentiert, warum Kinder so früh in die Betreuung gehen - geschweige denn nachfragt, warum man denn Kinder bekommt, um sie so früh in die Betreuung zu „stecken“ – sollte derjenige lieber hinterfragen, was seine Intention dahinter ist.

Will er den Eltern eine alternative Betreuung anbieten und/oder sie dabei unterstützen? Will er sich politisch dafür einsetzen, dass es noch mehr und qualitativ bessere Betreuungsmaßnahmen gibt? Will er als Arbeitgeber den angestellten Eltern im Betrieb Teilzeit oder auch den Männern eine lange Elternzeit ermöglichen, damit sie sich um die Betreuung des Kindes kümmern können?

Falls die Antworten auf alle Fragen Nein sind, dann ist meine Antwort an diejenigen ganz einfach: Ihr müsst unsere Erklärungen nicht verstehen, denn sie gehen euch nichts an.

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