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6 Mütter

6 Mütter: Für Verona Pooth ist Erziehung sehr wichtig

Verona Pooth
Verona Pooth © MG RTL D, Robert Grischek

Verona Pooth im Interview

Was macht sie glücklich, wie ist es, die Kameras ins ein privates Leben zu lassen und wovor hatte sie als Mutter am meisten Angst? Verona Pooth zeigt uns im Interview ihre private Seite. 

"Glücklich macht mich am Ende des Tages, wenn es meinen Jungs gut geht."

Warum machen Sie bei „6 Mütter“ mit?
Wie viele andere habe ich mir die 1. Staffel interessiert angeschaut und war emotional total berührt. Die Mütter waren ehrlich und redeten offen über ihr Leben, ohne dass es peinlich wurde. Es ging um Liebe, um Tod, um Patchwork-Familien, um Trauer, dabei auch immer um Erfolg und Karriere. Am Ende haben wir als Karrieremütter alle doch vieles gemeinsam. Als VOX mich anfragte, fand ich nichts befremdlich daran. Ich habe natürlich auch mit Franjo darüber gesprochen, ob er sich das vorstellen kann, dass Kameras unseren Alltag in dieser Art und Weise begleiten. Und wir haben zusammen beschlossen, dass es sicher den Zuschauern gefallen könnte – aber noch mehr wollten wir uns mal so sehen. Ich kann es gar nicht erwarten, alles Gedrehte dann endgültig am Stück zu sehen. Ich glaube, man lernt Einiges über sich.

War es für Sie eine Überwindung, die Türen zu öffnen und die Kameras reinzulassen?
Eine große, wie Sie sich denken können. Natürlich ist es emotional, wenn du die Kamera in dein privates Leben lässt. Aber ich bin jetzt seit fast 25 Jahren in der Öffentlichkeit zu sehen und habe natürlich auch schon viel von mir preisgegeben. Auch wenn ich die wirklich ganz privaten Dinge hinter verschlossenen Türen gehalten habe. Ich bin selbst in einem Hochhaus groß geworden, meine Eltern haben sich, als ich neun war, getrennt. Auch wenn ich aus einfachen Verhältnissen komme, haben meine Eltern mir sehr viel Liebe entgegengebracht. Und diese Liebe weitergeben zu können, ist ein großes Privileg. Das tue ich, so gut ich kann. Ich bin stolz darauf, dass ich so viel erreicht habe. In den letzten 25 Jahren habe ich dafür sehr viel gearbeitet, um mir mein jetziges Leben so aufzubauen. Ich habe nichts geerbt, gewonnen oder angeheiratet. Alles, was ich habe und bin, bin ich durch mich. Wir haben uns ein Haus gekauft und da bin ich sehr stolz drauf. Denn ich weiß, wo ich herkomme. Ich habe die Schule abgebrochen. Da war das nicht selbstverständlich. Trotzdem war ich immer sehr happy, war glaube ich recht beliebt und habe als Model gearbeitet. Ich habe mir die Welt früh angeschaut, ich sah mich schon immer auf der Sonnenseite, aber ich hatte noch nicht das, was ich mir jetzt aufgebaut habe. Ich habe aber auch einfach sehr viel Glück mit meinen Kindern, mit meinem Mann, den ich seit 17 Jahren bedingungslos liebe. Dafür danke ich dem lieben Gott sehr. Und heute bin ich an einem Punkt angekommen, wo ich allen Menschen zeigen will, dass Familienzusammenhalt mit das Wichtigste ist und nicht das Drumherum. Mich macht meine Familie einfach sehr glücklich. Ich hatte bei den Dreharbeiten sehr viel Spaß daran, meine Jungs vorzustellen, weil ich sehr stolz auf sie bin.

Vor 20 Jahren hat man Sie vor allem als Kunstfigur „Verona Feldbusch“ wahrgenommen. Wollen Sie mit „6 Mütter“ auch zeigen, dass Sie noch viel mehr sind?
Die Kunstfigur, die man vor 20 Jahren stark an mir gesehen hat, die wurde nie wirklich kreiert, weder von einem Manager, noch von einem Sender, noch von mir. Sondern ich habe mit einer Eigenschaft, die in mir steckt, viele überrascht – Selbsthumor. Ich bin ein verspielter Typ und hatte schon als kleines Kind immer irgendwelche Blumen im Haar oder habe mir aus Tannenbaumkugeln Ohrringe gebastelt. Die Verona, die immer das Blitzlicht sucht – dieses Image wurde aus einer Situation heraus geboren. Ich habe mich bei meiner ersten Sendung einfach so gegeben, wie ich damals wirklich war. Und genau das hat die Menschen amüsiert. Ich bin natürlich mit der Zeit erwachsener geworden, habe zwei Kinder bekommen und meine Karriere fortgesetzt. Bei „6 Mütter“ kann man sich einfach nicht verstellen – vor allem nicht morgens um sechs Uhr, wenn ich Diego das Frühstück machen muss, da bleiben die Witze nicht aus. Das Witzige und Verspielte ist immer noch geblieben. Meine Mutter hat früher immer zu mir gesagt: „Wenn du im Leben unterschätzt wirst, kannst du die Leute immer nur positiv überraschen. Aber wenn du von vornherein sagst, du bist die Größte, die Schlauste und die Schönste, kannst du Leute nur enttäuschen.“ Das ist doch toll, wenn die Leute denken, du kannst nicht bis drei zählen und wenn du bis vier zählst, geben sie dir Standing Ovations. Ich konnte die Menschen immer begeistern, weil sie erstaunt waren, dass ich gar nicht so blöd bin, wie sie sich einbildeten. Diesen Witz habe ich geliebt. Heute gibt es immer noch viel zu lachen bei uns. Natürlich bin ich erwachsener als früher. Heute überlege ich länger, ob ich Jobs annehme, ob es die Zeit noch wert ist. Früher habe ich sechs Jobs an einem Tag angenommen und ich habe das einfach nur geliebt. Aber heute versuche ich, mehr über das Leben und die kostbare Zeit nachzudenken. 

So persönlich hat man Sie wahrscheinlich noch nie gesehen…
Früher hat man mich in ein paar Dokumentationen schon privat kennengelernt – aber das ist jetzt schon so lange her, dass es eine andere Verona war als heute. Bei „6 Mütter“ zeige ich ja nicht nur mich, sondern auch meine Familie. Die Reportagen waren früher immer über Verona Feldbusch bzw. Verona Pooth an sich. Aber mit Tränchen im Auge, mit Kindern am Frühstückstisch und auch in kleinen Zankereien und mit Kosenamen, so hat man mich wohl noch nie gesehen. Franjo sagt immer zu mir: „Ach, meine kleine Hausschlampe ist wieder da.“ Da sind natürlich auch Kamerateams verwirrt, wenn ich darauf reagiere. Ich musste so lachen, weil das Team sich gewundert hat, wie Franjo und ich miteinander reden. Kosenamen wie „Kaffeemädchen“ sind für mich ganz normal, andere denken vielleicht, wir wären verrückt. Mir egal. Wir haben einen schrägen Humor und das ist auch gut so. Zu Hause habe ich und brauche ich einfach nicht den Glamour wie auf dem roten Teppich. Und deswegen war der Dreh natürlich auch sehr persönlich. 

Wie war das in Verbindung mit den anderen fünf Müttern? Wie hat man sich ausgetauscht? Was konnten Sie persönlich für sich als Fazit mitnehmen?
Bei „6 Mütter“ werden sechs verschiedene Geschichten erzählt. Wir diskutieren über unser Leben und unsere Geschichten. Mein Fazit ist, dass wir alle grundverschieden sind und trotzdem viel gemeinsam haben. Unsere Karrieren und Geschichten sind unterschiedlich, aber wir sind uns einig, dass uns auf gewisse Art und Weise allen das Gleiche widerfahren ist: Angst, Liebe, Geburten, Prioritäten und die Schwierigkeit, Kind und Karriere unter einen Hut zu bekommen. Plötzlich habe ich gemerkt, dass nicht nur wir „6 Mütter“ uns ähnlich sind, sondern dass viele Frauen diese Themen kennen. Am Anfang hat man natürlich gedacht: Ah ja, das ist die Schauspielerin, das ist die Moderatorin oder Sängerin – aber im Nachhinein sind wir alle einfach nur normale Mütter, die ihre Kinder lieben und jeden Tag versuchen, eine gute Mutter zu sein.

Die „6 Mütter“ haben ganz verschiedene Leben – machen genau diese Unterschiede das Format aus?
Obwohl wir so verschieden sind, haben wir auch viel gemeinsam. Obwohl wir alle Medienprofis sind, haben wir – bildlich gesprochen – die Hosen runtergelassen. Wir haben geweint, uns umarmt und Sympathien aufgebaut. Wir kannten uns zwar vorher, aber wir sahen keine Notwendigkeit, miteinander zu telefonieren oder einen Kaffee trinken zu gehen. Und danach sind wir uns in die Arme gefallen und haben uns für die Ehrlichkeit bedankt. Gerade im Fernsehen ist das nicht üblich. Alle haben ihren Gefühlen freien Lauf gelassen – so viele echte Emotionen habe ich selten auf einem Sofa miterlebt.

Wo konkret wurden die Hosen runtergelassen?
In jeder Familie ist jemand verstorben, den man sehr geliebt hat. Wir haben zum Beispiel über meine Mutter gesprochen, die nicht mehr lebt. Und wir haben auf einmal ein Gefühl gehabt, dass wir alle da durchgegangen sind. Wir haben uns nicht verstellt. Wir wollten dann auch ehrlich sein, wenn jemand so offen über Themen spricht. Die Geschichten erzählt man nicht jedem. In dem Moment ist man sehr gerührt und es kamen einfach wahnsinnig interessante Gespräche zustande. Somit wurde „6 Mütter“ eine ehrliche und emotionale Sendung. Wir sind alle sehr glücklich, dass wir diese Erfahrung gemacht haben. 

Was ist die wichtigste Eigenschaft einer Mama?
Für mich ist die Erziehung sehr wichtig. Vor allem auch, dass man Liebe gibt und nicht nur nimmt. Ich habe mir meine Kinder gewünscht und fühle mich jetzt für sie verantwortlich. Sie wurden ja nicht gefragt, mit mir zu leben. Ich finde es ganz wichtig, dass man nicht nur immer von den Kindern die Liebe nimmt, was viele machen, weil Kinder bedingungslos lieben können. Sondern man genau diese Liebe auch zurückgibt. Aber die reine Erziehung ist für mich in erster Linie die soziale Erziehung und – ich weiß: gerade ICH muss das sagen – die Schulbildung. Gerade weil ich weiß, was mir durchgegangen ist, lege ich auf die Schule viel Wert. Ferner auch darauf, dass meine Kinder nicht denken, dass sie der Mittelpunkt der Welt sind. Sie leben sehr privilegiert und haben ein schönes Leben, aber sie müssen auch verstehen, dass dies nicht normal ist. Meine Kinder brauchen sich nicht dafür bedanken, auch dafür können sie ja nichts, aber etwas aus der Aufgabe machen, setze ich voraus. Wer die Chance hat, hier eine Schulausbildung und ein Zuhause zu haben, kann sich glücklich schätzen. Da sage ich dann immer zu Diego: „Ich habe dich ja nicht bekommen, damit du mit dem Fahrrad durch die Gegend fährst oder nur YouTube guckst. Ich erwarte von dir, dass du eines Tages etwas Bewegendes für die Menschen machst.“ Ich erwarte von meinen Kindern, dass sie eines Tages das Glück, welches sie haben, weitergeben. Sie sollen nicht egoistisch aufwachsen, sondern über den Tellerrand hinausschauen. Kinder sind die Zukunft! Hört sich abgedroschen an – stimmt aber.

Was macht Sie glücklich?
Glücklich macht mich am Ende des Tages, wenn es meinen Jungs gut geht. Ich liebe Franjo nach 17 Jahren immer noch sehr, die Jungs ohne Ende und wenn die drei mich vom Flughafen abholen oder wenn wir sonntags im Bett liegen und sie mir meinen Kaffee bringen, da bin ich wirklich dankbar, dass sie bei mir sind. 

Stimmt es, dass Sie Ihre Kinder an die Katzenleine gebunden haben?
Ich hatte einfach wahnsinnige Angst, dass mein Kind ertrinken könnte. Als ich schwanger war, hat eine sehr gute Freundin durch einen tragischen Unfall im Pool ihr Kind verloren. Und das hat sich so in meinem Kopf eingeprägt, obwohl ich keine ängstliche Mama bin. Aber wenn ein Kind ins Wasser fällt, hast du nur ein/zwei Minuten und nichts wird mehr sein wir früher. Und ich wusste, dass meine Jungs das Wasser aufsuchen werden. Diego war acht Jahre ein Einzelkind, bevor ich Rocco bekam. Dem habe ich eine Schwimmweste auf den Malediven umgeschnallt, ein Zahlenschloss gekauft und vorne an die Weste noch Ösen annähen lassen und das Zahlenschloss zugemacht. Und er hatte sie von morgens bis abends an. Er war damals vier oder fünf und er war so stolz auf seine Weste. Acht Jahre später habe ich dann Rocco eine Katzenleine gekauft und sie um sein Fußgelenk geschnallt. Und das Ende von der Leine habe ich um mein Fußgelenk gemacht. Wenn man nachts bei 40 Grad einschläft, todmüde ist, einen Jetlag hat, da kann auch mal eine Mama tief schlafen. Und wenn dann ein kleines Kerlchen nachts auf die Idee kommt, zum Pool zu gehen, dann ist der nächste Tag nie mehr so, wie er war. Viele Mütter, denen ich die Geschichte erzählt habe, haben sich kaputt gelacht und gesagt: „Du hättest dir das patentieren sollen. Das ist doch DIE Idee!“ Wenn er nachts wach geworden wäre, wäre er nicht von meinem Fußgelenk weggekommen, er hätte mich einfach nur geweckt. Das Ende vom Lied war, dass Rocco heute noch stolz ist auf die Geschichte der Katzenleine und Diego mit 14 Jahren auch noch freiwillig über sein Schloss spricht und sie leben beide glücklich mit ihrer – zugegeben – ungewöhnlichen Mutter.