„Prince Charming“-Kolumne, Folge 2

Fremdlöffeln verärgert das schwule Königshaus!

Die "Prince Charming"-Kandidaten beim Gruppendate auf dem Piratenschiff in Folge 2.
Die "Prince Charming"-Kandidaten lassen es sich auf dem Piratenschiff gut gehen. © TVNOW

Von Phillip Syvarth

Es hat genau eine Nacht und eine Flasche Sekt verlangt, damit „Prince Charming“ genau das serviert, was man sich von einer schwulen Dating-Show erhofft: Nackte Ärsche, betrunkenes Fremdkuscheln, einen Penis, viele Tränen und eine große Lüge. Und für all diese Meilensteine ist lediglich einer verantwortlich: Dauer-Single Dominic. Mit seiner Sendezeit fordernden Persönlichkeit hat er es schon in Folge 2 geschafft, präsenter als Prince Charming selbst zu sein. 

Auch mein Kollege Tobias Elsaesser lässt Folge 2 von "Prince Charming" Revue passieren. Wie er zu den wilden Entwicklungen steht, gibt's hier zu lesen.

Und jetzt, Film ab!

Viel nackte Haut und noch mehr Gossip

Betrunkenes Nervenbündel oder kalkulierter Konkurrent? Bereits in der ersten Nacht zieht Dominic blank und lässt sich ziemlich betrunken und komplett nackt erst in den Pool und später ins Bett fallen. Dann hält die Kamera genau fest, was Dominic und Bettpartner Aaron betrunken vielleicht nicht mehr so ganz checken: Es wird ordentlich gelöffelt – all night long. Was der Prince wohl davon hält? Und werden Dominic oder Aaron es beichten? Ist es überhaupt beichtenswert? Dazu später mehr!

Der nächste Morgen beginnt und ich frage mich, ob ich versehentlich umgeschaltet habe. Denn statt eines schönen Sonnenaufgangs wird plötzlich Dominics Penis gezeigt. Hä, Penis? Gucke ich etwa „Paradise Hotel"? Aber nein, da liegen doch zwei Männer im Bett – weit und breit keine Single-Ladies in Sicht. Nackte Geschlechtsteile gibt’s wohl auch bei „Prince Charming“.

Kandidat Lars lässt sich spontan von dem freiliegenden Lörres inspirieren. Denn als würde er befürchten, dass die Show ihre volle Aufmerksamkeit seinem katernden Konkurrenten schenkt, wärmt er plötzlich eine Geschichte auf, mit der er schon in Folge 1 auf sich aufmerksam machen wollte: „Alex, den kenn‘ ich“, erklärt er den anderen Jungs. „Es war ein Sexdate. Nicht mehr und nicht weniger. Und auf jeden Fall auch nicht wieder.“ Charmant. „Aber jetzt geht hier auch richtig Gossip los, nä?“, hakt Lars später überrascht nach. Na an wem das wohl liegt?

„Prince Charming“ schnappt endlich zu

Der Prince nutzt den Tag, um endlich zum ersten Date einzuladen. Lars legt sich ein bisschen „dezentes Tages-Make-up“ auf (ob das Barbara Schöneberger wohl gefallen würde?), dann macht er sich mit Sam, den beiden Dominics, Aaron, Alex und John auf zum Gruppendate. Prince Charming trägt heute übrigens Locken statt gezähmte Friese und sieht somit even more charming aus. Sam findet das Date trotzdem zum kotzen – nicht wegen der Löckchen, sondern weil er seekrank ist. Nicolas hat nämlich auf ein waschechtes Piratenschiff eingeladen.

Eine Bierflasche folgt der nächsten und der Alkohol fordert eine unangenehme Tanzszene. Zum Glück wird in dem Moment auf die verbliebenen Jungs in der Männervilla geschnitten. Dort vertreibt man sich die Zeit mit ein paar altbekannten Diven – also jetzt nicht mit Martin und Aaron, sondern mit den Pussycat Dolls. Martin ruft („Schwesteeeern!“) zum Tanzen auf, Hüften werden geschwungen, Penisse kollidieren und dann wird zum Glück zurück zum supermännlichen Piratenschiff geschaltet. Dort wählt sich Nicolas gerade den Glücklichen aus, der ihn auf ein Einzeldate begleiten darf.

„Dann wäre es gar nicht zum Kuss gekommen“

Dominic darf ran – im wahrsten Sinne des Wortes. Denn während der Prince mit ein wenig Small Talk erstmal auf „Tieffühlung“ gehen möchte, nutzt Dominic die Chance, um Nicolas mit Komplimenten und dann mit seiner persönlichen Leidensstory zu überschwemmen. Mobbing, Angst, Selbstzweifel – es fließen Tränen. Prince Charming hat Mitleid und lässt sich küssen. Dann, wohlgemerkt nach dem Kuss, gesteht Dominic die Kuschelei aus vergangener Nacht. Timing des Geständnisses? Uncharmant. Findet auch Prince Charming: „Ich wünsche er hätte mir das vor dem Kuss gesagt, dann wäre es gar nicht zum Kuss gekommen.“

Flexibel, stark, schwul

Alles viel zu traurig und ernst, es muss dringend etwas Schwules geschehen! So ähnlich hat wohl die Ansage der Producerin gelautet, die als nächstes eine Gogo-Tanzstange in der Kandidatenvilla aufstellen lässt. Die Boys finden’s super. Einer nach dem anderen beweist Flexibilität und Griffkraft (die eignen sich doch allesamt für „Ninja Warrior“?!) und beeindrucken ihren Prince in der zweiten Gentlemen-Night mit einer heißen Einlage. Dann wird es ernst – wer darf seine Krawatte behalten?

Moralische Zwickmühle: Hat Dominic wirklich falsch gehandelt?

Trotz des uncharmanten Dates und des Beinah-Techtelmechtels mit Aaron darf Dominic am Ende bleiben. Auch Aaron wird verziehen. Großzügiger Prince. Dafür müssen Dominik (genau, der mit den langen Haaren) und John gehen. Zum Schluss lässt Nicolas noch eine Bombe platzen. Dominic hatte den Mitleids-Kuss nämlich gegenüber den anderen Teilnehmern verschwiegen („Ich wollte auch nicht Öl ins Feuer gießen“), doch dann erwähnt Nicolas ihn plötzlich vor versammelter Mannschaft. Ups!

Während die Preview für Folge 3 mit aufregenden O-Tönen beeindrucken will („Analwaxing oder Augenbrauen zupfen?!“), komme ich ins Grübeln. War Dominic gegenüber Nicolas wirklich in der Verantwortung, ihn über das innige Kuscheln mit Aaron zu informieren? „Ich weiß nicht, ob ich so agiert hätte wie du“, hatte Nicolas enttäuscht auf Dominics Beichte hin geantwortet. Ich frage mich, wie ich selbst agiert hätte. Denn eigentlich zählt doch nur, dass alle Männer der Show Single sind – und somit löffeln dürfen, wen sie wollen. Dass Nicolas da schon mal eifersüchtig werden kann, ist klar. Doch das ist halt seine Ausgangssituation als Prince. Und solange sich die Jungs nicht „exklusiv“ dem Prince versprechen, dürfen sie küssen wen sie wollen. Warum sollte sich Dominic rechtfertigen müssen? Welcome to „Prince Charming“, Nicolas: Du bist zwar der Prince, aber das Liebesabenteuer der Jungs ist nicht von dir abhängig.