Intime Gespräche, ein zärtlicher Kuss und... Bäm!

Nicolas Puschmann und Kandidat Dominic in der zweiten Folge von "Prince Charming".
Nicolas Puschmann und Kandidat Dominik bei ihrem Date am Strand © TVNOW

Von Tobias Elsaesser

Ich weiß nicht wie es meinem Kolumnen-Kollegen Philipp Syvarth geht, aber ich hatte bisher nur eine vage Vorstellung vom Ablauf einer Dating-Show: "Bewerber" kommen an, geben eine kurze Info über ihr Leben und ein, zwei mehr oder weniger plausible Gründe, warum sie die Liebe ihres Lebens unter Beobachtung der Öffentlichkeit suchen. Dann kommt der Prince, Bachelor, die Bachelorette und tut das gleiche. Es folgen Dates, der ein oder andere Zwiespalt und dann steht man plötzlich vor der Liebe des Lebens oder des alles entscheidenden Momentes. So weit, so gut.

Ich hatte aber nicht die geringste Vorstellung von der Dynamik, die sich entwickelt, wenn bis zu 20 Menschen, die alle denselben wollen, im selben Haus zusammenwohnen und im selben Zimmer schlafen. Welche Dramen sich abspielen und welche seelischen Abgründe sich auftun. Und das alles, ohne dass der Prince überhaupt physisch anwesend ist.

Wer sagt es dem Prince?

Und dann kommt in dieser Show noch ein Faktor hinzu: Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass sich das Interesse der Kandidaten nicht auf den, um den es eigentlich geht, beschränkt. Aber – Aaron, Dominic – dass das so schnell geht…

Gerade mal eine Gentlemen-Night haben die Herren hinter sich, nur wenige, nicht einmal exklusive Stunden mit dem vermeintlichen Traummann Nicolas, und schon findet sich Dominic nackt zum Kuscheln unter Aarons Decke ein. Nicht gut, da im Gruppenschlafraum der Kandidaten-Villa die Privatsphäre etwas eingeschränkt ist, und so mancher im Raum einen eher leichten Schlaf hat. Und als der Morgen anbricht, sind sie das Frühstücksthema. Es gibt Fragen zu klären: Lief da was? Haben die nur gekuschelt oder hatten die gar…?

Und wer sagt es dem Prince? Und was sagt DER dann? Spannende Angelegenheit, denn Nicolas hat eine klare Vorstellung davon, wie das Ganze abzulaufen hat: Die Männer sind in die Villa gekommen, um sich den Prince Charming zu angeln, und deshalb haben sie für ihn da zu sein, sich um ihn zu bemühen, ausschließlich ihn. Das mag im Konzept durchaus so vorgesehen sein, hat aber mit der Welt fernab dieses Stückchens Strandidylle wenig zu tun. Könnte ein Grund dafür sein, dass Dating-Show-Paare eine überschaubare Anzahl an Jahrestagen feiern.

Eins ist sicher: Drama

Aber so weit ist es ja noch lange nicht, wir sehen gerade mal dem ersten Einzeldate entgegen. Und für das wählt der Prince ausgerechnet: Dominic. Auweia, das Rendezvous hat noch nicht begonnen, und jeder weiß schon: Das gibt Drama. Klar, vielleicht auch Romantik und gar Erotik, aber ganz sicher Drama.

Zu Beginn gibt es erstmal Champagner am Strand, intime Gespräche und einen zärtlichen Kuss, und dann... Bäm. Oder wie Nicolas es anschließend formuliert: "Es fing gut an und wurde so Scheiße."

Die Reaktion ist nur allzu menschlich. Enttäuschung, Unverständnis. Er wurde hintergangen, noch bevor es überhaupt losgeht. Im Grunde ist das ganze Date Betrug, denn Dominic weiß von Anfang an ums Ende Bescheid. Die Lüge und ihre Verwandten – zum Beispiel Verschweigen – sind wahrscheinlich das gefährlichste und explosivste, was im ohnehin verworrenen Reich der Liebe existiert. Sie hinterlassen missbrauchtes, geschundenes, zerstörtes Vertrauen. Und was folgt ist oftmals Vergeltung.

Im Video: Die Preview für die 1. Staffel von "Prince Charming"

So aufregend wird "Prince Charming"
So aufregend wird "Prince Charming" Erste schwule Datingshow 01:33

Die Macht des Prince Charming

In diesem Moment offenbart sich die Macht, die ein Prince besitzt. Er kann das, was ihm nicht passt, sanktionieren. Indem er droht. Freundlich, aber deutlich, und zwar mit Rausschmiss. Eine zutiefst menschliche Angelegenheit: Wer über eine gewisse Macht verfügt, neigt dazu, sie auszuspielen. Meist zu seinem Nutzen. Oder was er dafür hält. Die Message kommt an. Gezeichnet von dem dramatischen Verlauf des Dates, kommt Dominik zurück in sein vorübergehendes Zuhause.

Der dritte und größte Verlierer aber ist Aaron, er kann zunächst nur zuschauen, wie alles den Bach runterzugehen droht. Und feststellen, dass sich seine unangenehme Situation "argumentativ" nicht ändern lässt. Es bleibt auch keine Zeit, die zweite Gentlemen-Night steht an. Jeder muss seinen gesamten Charme zusammensammeln und die Chance nutzen, in die Gunst des Prince zu steigen – und zu retten, was zu retten ist. Auch Aaron sucht die Aussprache mit Nicolas – ohne Strandsonne, ohne Kuscheln, ohne Kuss, aber mit dem gleichen Ergebnis: Der Prince droht mit Rausschmiss.

Ehrlichkeit wird belohnt

Ich empfinde diese Drohungen (an anderer Stelle auch gegen Podcaster Lars) schon als krass, sie scheinen so gar nicht in das freundliche Bild des Prince zu passen, abgesehen von der Form, in der er sie vorbringt.

Versöhnlich stimmt mich, dass Nicolas anscheinend Ehrlichkeit und den Mut, unangenehme Wahrheiten anzusprechen, schätzt. Weder Dominic, noch Aaron müssen gehen, der Prince begnügt sich mit dem Schuss vor den Bug. Der allerdings war deutlich und hallt nach.

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