21. & 28.9. Samstags 19:10

Tierisch beste Freunde

Tierisch beste Freunde: Interview mit Kate Kitchenham

Kate Kitchenham
© TVNOW / Goran Gajanin

Kate Kitchenham ist Autorin, Moderatorin, gibt Seminare für Hundetrainer und arbeitet als Coach für Mensch-Hund-Beziehungen. Aus der Faszination heraus studiert sie nach dem Abitur Verhaltensbiologie und schließt das Studium an der Universität Hamburg in den Fächern Kulturanthropologie und Zoologie ab. Dabei setzt sie den Schwerpunkt neben der Ethologie auf die Beziehung zwischen Tier und Mensch.

Wir haben sie zum Interview getroffen.

Welche Tierfreundschaft ist die bisher ungewöhnlichste, die Sie jemals gesehen haben?

Besonders spannend finde ich Freundschaften zwischen Arten, die sehr unterschiedlich leben, zum Beispiel zwischen einem Säugetier und einem Vogel. Wie beim Hängebauchschwein Bonnie und der Hausgans „MöpMöp“. Hier hat kein Mensch „nachgeholfen“, die beiden haben sich von alleine angefreundet und verbringen am liebsten Zeit miteinander, obwohl sie Kontakt zu Artgenossen haben könnten. Sie „unterhalten“ sich, indem sie sich über Kontaktlaute informieren wie es der anderen jeweils geht und dass sie noch da ist. Beim Ruhen suchen sie die körperliche Nähe – das war wirklich sehr berührend zu erleben und zeigt uns, dass die Bedürfnisse von Tieren nach Zuneigung und Sicherheit unseren sehr ähnlich sind.

Gibt es Tiere, die für artübergreifende Freundschaften besonders „empfänglich“ sind?

Besonders aufgeschlossen gegenüber anderen sozialen Bindungen sind Hunde – sie binden sich am liebsten an den Menschen, aber zeigen sich besonders tolerant gegenüber anderen Arten – so kommt es bei Hunden besonders häufig zur Adoption von gefundenen hilflosen Wildtieren oder Katzen, so wie bei der Mopsdame „Apple“, die das wenige Tage alte Katzenkind „Curry“ gesäugt und ihm damit das Leben gerettet hat.

Gibt es wiederrum auch Tiere bei denen eine artübergreifende Freundschaft niemals funktionieren würde?

Reptilien zeigen sich meistens wenig interessiert an Beziehungen zu anderen Arten – aber auch hier sind Beziehungen nicht ausgeschlossen! Es muss sich um einigermaßen sozial lebende Tiere handeln, dann ist eigentlich alles möglich. Dann können auch Jäger und Beutetier wie Kaninchen und Hunde, Wellensittiche und Katzen zu dicken Freunden werden.

Welche Grundvoraussetzungen sind notwendig, damit eine artübergreifende Freundschaft entstehen kann? (Kann sich diese ab einem gewissen Alter vielleicht gar nicht mehr entwickeln?)

Besonders häufig entstehen Freundschaften zwischen zwei verschiedenen Arten in Gefangenschaft – hier fällt die Notwendigkeit der Futtersuche weg, man „lebt im Luxus“, wird versorgt und muss sich keine Sorgen ums Überleben machen. Das Leben in Sicherheit wiederum macht einen „offener“ für andere soziale Wesen: man wird toleranter, lernt das Verhalten des Gegenübers lesen, entwickelt eine Beziehung, irgendwann vielleicht sogar eine enge Bindung. Das gelingt besonders gut, wenn Tiere noch jung sind – ähnlich wie bei uns Menschen ist man in dieser Lebensphase verspielter, toleranter – und lernt besonders schnell die fremde „Sprache“ verstehen. Über Spielen lernt man sich aber nicht nur gut kennen und verstehen, man hat auch positive Gefühle dabei – und die sorgen für eine enge Bindung zum „anderen“ Freund. Deshalb entstehen die meisten Tierfreundschaften in der Kindheit der beiden Arten. Oder aber in Gefangenschaft, unter unschönen Bedingungen. Auch dann neigen Tiere manchmal dazu, sich aneinander zu halten, eine Bindung aufzubauen – zusammen ist man eben weniger allein.

Auch wenn es keine innige Freundschaft wird: Was können Tierbesitzer tun, um verschiedene Tierarten aneinander zu gewöhnen und so ein gemeinsames Halten zu ermöglichen?

Am besten funktioniert die Zusammenführung wenn beide oder zumindest einer von beiden noch jung und „niedlich“ ist. Aber auch ältere Tiere können sich noch verstehen und manchmal sogar lieben lernen! In erster Linie würde ich mit viel Einfühlungsvermögen vorgehen, den beiden Tieren Zeit geben, das neue Familienmitglied kennen zu lernen und dabei ganz viel Ruhe und positive Gefühle vermitteln. Tiere orientieren sich sehr daran, wie wir uns verhalten und wie unsere Stimmung ist – deshalb sollten wir nicht hektisch und laut, sondern ruhig und freundlich in der Kommunikation mit dem jeweiligen Tier sein. Ich empfehle immer eine stundenweise „sanfte Konfrontationstherapie“ in der die beiden Tiere am Anfang mit viel Abstand zueinander in einem Raum sein müssen, während wir lesen, fernsehen gucken, bügeln oder uns fröhlich unterhalten. Sobald ein Tier das andere jagen möchte, wird es sofort daran gehindert – so lernen die tierischen Mitbewohner, sich mit Respekt zu begegnen. Die Distanz zwischen den beiden Tieren wird dann mit der Zeit kleiner werden, wenn sie anfangen, sich zu vertrauen und zu verstehen. Und irgendwann können aus Fremden dann „tierisch beste Freunde“ werden!