Wir sind klein und ihr seid alt

Wir sind klein und ihr seid alt: Kinderlachen gegen Einsamkeit im Alter

Ein einmaliges Generationenprojekt

Wir starten ein einzigartiges und sehr berührendes Generationenprojekt: In unserer neuen Doku-Reihe treffen zehn aufgeweckte Vierjährige auf einsame Senioren, die in einer Seniorenresidenz in Bergisch Gladbach bei Köln leben. In insgesamt drei Folgen dokumentieren wir das Projekt, bei dem die völlig unterschiedlichen Altersgruppen sechs Wochen lang Zeit miteinander verbringen und das für die Senioren vor allem eins bereithält: ganz viel kindliche Leichtigkeit und Lebensfreude.

Einsamkeit statt goldener Lebensabend – ein Schicksal, das viele Senioren in Deutschland teilen. Wenn der geliebte Ehepartner stirbt und die Familie nur noch unregelmäßig zu Besuch kommt, überschattet das Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden, das einst glückliche Leben. Plötzlich finden sich die Rentner in einem isolierten Dasein mit eintönigem Alltag und wenig Lebensfreude wieder. 

Nach dem Tod ihres Mannes leidet die 85-jährige Helga unter Einsamkeit und der Monotonie des Alltags. „Früher war ich ausgefüllt und meine Familie war mir nah“, erzählt sie und gesteht ein, sich trotz regelmäßiger Besuche nicht mehr gebraucht und als Teil der Familie zu fühlen. Auch an Babette (80) nagt das Alleinsein, das sie mit vielen Senioren in Deutschland teilt. „Am Anfang habe ich gedacht, du bist hierhergekommen, um zu sterben“, so die Rentnerin, die sich durch die Kinder neuen Lebensinhalt erhofft. Der Allgemeinmediziner Dr. Johannes Wimmer begleitet das Generationenprojekt gemeinsam mit anderen Experten aus Medizin und Altersforschung und weiß: „Einsamkeit ist das Schlimmste, das einem passieren kann. Sogar Krankheiten werden dadurch schlimmer.“

Bevor das Generationenprojekt starten kann, werden alle Senioren medizinisch und psychologisch untersucht, um am Ende die Auswirkungen des Zusammenseins mit den Kindern auf den seelischen und körperlichen Zustand beurteilen zu können. Im Vorfeld sind die Erwartungen der Rentner gemischt. „Ich denke, dass ich für die Kinder vielleicht zu langweilig bin“, sorgt sich Rita (79) trotz aller Vorfreude. Ähnlich geht es Helga: „Wenn die Kinder mich nicht mögen, wäre ich sehr traurig.“ Dann ist es soweit: Die Kinder kommen zu ihrem ersten Besuch vorbei. Beim Aufeinandertreffen im Activity Room, der sechs Wochen lang Treffpunkt für Jung und Alt sein wird, herrscht auf beiden Seiten erst einmal Unsicherheit – bis die 84-jährige Marlene die Initiative ergreift und als Erste auf die Kinder zugeht. Ihr Mut wirkt ansteckend: Nach und nach trauen sich auch die anderen Senioren und die Offenheit der Vierjährigen hilft ihnen, mit den Kleinen in Kontakt zu kommen. „Das habe ich schon lange nicht mehr erlebt“, urteilt Helga nach einer kurzen Zeit mit den Kindern und erzählt begeistert: „Ein kleines Mädchen hat mich von Herzen angestrahlt. Man ist so froh, wenn man wieder als Mensch wahrgenommen wird.“

Schnell gewöhnen sich die beiden Generationen aneinander. Dabei müssen sich die Senioren auch auf teils indiskrete Fragen der Kinder einstellen. „Warum hast du so Kreuze an deinen Backen“, fragt Christian die 84-jährige Marguerite beim Anblick ihrer Falten im Gesicht. „Weil ich so alt bin“, antwortet ihm die Rentnerin, die mit der kindlichen Neugier der Kleinen umzugehen weiß. Am Ende des ersten Tages ist die Vorfreude auf die weiteren Wochen des Projekts bei den Kindern nicht zu bändigen. So geht es auch den Senioren – eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg des Projekts. „Ziel ist, dabei zu bleiben“, erklärt der Allgemeinmediziner Dr. Johannes Wimmer.

Nach wenigen Wochen trägt das Generationenprojekt erste Früchte: Franz, der mit 92 Jahren der älteste Teilnehmer ist, blüht dank der Kindergartenkinder richtig auf. Zu dem kleinen Christian findet er einen besonders guten Draht. „Der Franz ist mein Freund“, urteilt der Vierjährige, der Zuhause nur noch von dem rüstigen Rentner spricht. Wie gut Franz der Kontakt zu seinem kleinen Freund tut, kann er bisher nur erahnen. Der Senior zeigt sich skeptisch und glaubt nicht daran, dass sich neben der emotionalen Bindung auch an seiner körperlichen Fitness etwas verbessern könnte. Dass er zu diesem Zeitpunkt bereits enorme Fortschritte gemacht hat, ist Franz allerdings noch nicht klar…

Am 18.02.2019 um 20:15 Uhr